
Umgebindehäuser eine europäische Einmaligkeit.
Eine Dokumentation von Karl Bernert, der Experte für Umgebindehäuser hier in der Oberlausitz.
Unter den mannigfachen Reizen der lausitzer Landschaften, insbesondere der Oberlausitz mit seiner lieblichen Mittelgebirgslandschaft, geschichtsträchtigen Städten wie Bautzen, Görlitz, Herrnhut, Löbau und Zittau, der Grenznähe zu Nordböhmen in der Tschechischen Republik und Niederschlesien in Polen, fmdet man hier eine europäische einmalige Konzentration der Umgebindebauweise.Wie kam es zur Entstehung der Umgebindehäuser?

Was sind Umgebindehäuser?

Orte mit vielen Umgebindehäusern in der Oberlausitz.
In der Oberlausitz gibt es eine Reihe von Ortschaften, in denen besonders viele Umgebindehäuser zu finden sind. Beginnen wir mit Obercunnersdorf: Der Ort hat sehr viele dieser Gebäude und ist weit und breit als lebendiges Denkmalsdorf bekannt. Hier leben, wohnen und arbeiten Menschen in den zahlreichen denkmalgeschützten Häusern.
Dies ist ein bedeutender Unterschied zu einem Freilichtmuseumsdorf. Da auch einige Umgebindehäuser für den Besucher offen sind, kann man dort diese Bauten gut im Inneren kennenlernen. Außerdem wird es bei der sprichwörtlichen Liebenswürdigkeit der Oberlausitzer kaum allzu schwer fallen, in ein anderes Haus hineinsehen zu dürfen. Als weitere Besonderheit des Ortes ist die Tatsache zu nennen, daß an einigen Stellen die Häuser sehr dicht stehen und sehr ansehnliche Hausgruppen bilden. Auch finden sich im Ort eine Reihe von Häusern, bei denen die sonst nur an Giebeln und in dem Stockwerk üblichen Verschieferungen bis an die Fundamente reichend, auch das Erdgeschoß überziehen. Auf drei der zuvor erwähnten Hausgruppen sei als Beispiel noch hingewiesen: Ein Gebiet unterhalb der Kirche, eines in der Nähe des Gemeindeamtes und eines im Oberdorf. Ein anderer Ort, Dittelsdorf, im Osten des Kreises Löbau-Zittau gelegen, ist unter anderem deswegen hervorzuheben, weil der Besucher hier dicht nebeneinanderstehend recht verschiedenartige Umgebindebauten sehen kann. In der Straße »Im Winkel« zum Beispiel stehen Häuser mit sehr weit gespannten Umgebindefeldern, solche der älteren Bauweise, bei denen die Konstruktionen der Zimmerleute vom Dachansatz bis zum Fundament durchgängig sind (Geschoßbauweise) und die ansonsten zumeist gebauten der Stockwerksbauweise mit getrennt gezimmertem Erdgeschoß und oberem Stockwerk. Unweit davon steht das auch als Gebäude sehr bedeutende, gut restaurierte Heimat-museum. Die Leistungen einheimischer Handwerker und solcher aus der Region, die bei den Werterhaltungsarbeiten eingesetzt waren, sind sehenswert. Weitere Orte, die einen bemerkenswert reichen Umgebindehausbestand aufweisen, sind Großschönau, Waltersdorf und Seifhennersdorf. In Waltersdorf fallen dem Besucher neben sehr schönen Verschieferungen auch eine ganze Reihe prachtvoller Hauseingangsbereiche auf.
Einzelobjekte, die ins Auge springen.
Genannt werden sollen hier einige repräsentative Einzelobjekte, wobei die Reihenfolge der Aufzählung keineswegs einer Wertung gleichkommen soll.
Beginnen wir im Norden: Der Erlichthof in Rietschen (Nähe Tankstelle) ist ein im Ausbau begriffenes Freilichtmuseum. Aus den durch den Braunkohleabbau verlorengegangenen Orten oder Ortsteilen wurden einzelne, für die dortige Landschaft typische Blockholzbauten umgesetzt und dadurch vor der Vernichtung gerettet. Im Gegensatz zu den Umgebindebauten, zum Beispiel im »Oberland«, sind hier oft nur Giebelumgebinde vorhanden. Gute Beispiele dazu stehen in einem Ort östlich von Rietschen, in Daubitz, Dorfstraße 25, 59 und gegenüber von Nr. 63. Im Freilichtmuseum steht jetzt der Hof Nummer 31 aus Mochholz. Weitere Bauten sind aufgebaut und werden genutzt. Neben den Besitzern noch stehender Schrotholzhäuser in dieser Landschaft gebührt Dank der Gemeinde und dem Förderverein, daß diese Art der Volksbauweise erhalten wurde und dem Besucher des Museumsgebietes offen steht. Als weiterer Museumshof sei der in Markersdorf genannt. Durch seine Exponate läßt sich gut ein Überblick über die ländliche Lebensweise vergangener Zeiten gewinnen. Natürlich ist dies auch in den anderen Museen bzw. Heimatmuseen der Oberlausitz, wie in Cunewalde, Ober- bzw. Niedercunnersdorf, Lawalde, Sohland an der Spree, Niesky und im wohl bekanntesten Umgebindehaus, dem sogenannten »Reiterhaus« in Neusalza-Spremberg, möglich.
Nicht unerwähnt sollen auch solche Situationen bleiben, bei denen zum Gesamteindruck eine Wasserfläche, ein Wehr, ein besonderer Blick, z. B. zur Kirche des jeweiligen Ortes, einer besonderen Straßensituation oder, so wie es in katholischen Gegenden üblich ist, ein Wegekreuz mit hinzukommt.Die Leistungen von Handwerkern.
Die Leistungen von Handwerkern beim Bau der Umgebindehäuser ist unbedingt zu würdigen. Immer sollte man dabei mit beachten, daß zu der damaligen Zeit dem Bauhandwerker nur die damals üblichen Handwerkszeuge zur Verfügung standen. Nur ein Beispiel: Maurer oder Steinmetz hatten nie die heute selbstverständlichen, mit Strom oder Preßluft betriebenen Geräte zur Arbeitserleichterung. Auch gab es seinerzeit weder Steckgerüste, Förderbänder, Mischer, Hubbühnen oder Krane.


Bei Fenstern und Türen denkt man heute zunächst an Tischlerarbeiten. Bei alten Stücken können es aber auch Arbeiten von Zimmerern sein. Solche Fensterumrahmungen wie in Dittelsdorf, Hirschfelder Straße, am Museum, sind in der Oberlausitz ungewöhnlich, in Nordböhmen manchmal zu finden. Dafür sind Fensterbekleidungen (beiderseits) bzw. Fensterbekrönungen (oben) wie in Schönbach, Beiersdorfer Straße 12, an dem zur Straße stehenden Hausteil, recht oft zu sehen. Bei den Haustüren sind besonders schöne aus der Barockzeit erhalten. Steinmetzleistungen in Granit oder Sandstein, besonders an Hauseingängen, sind allerorts zu bewundern. Man bedenke nur, daß zum Beispiel die kunstvolle Arbeit am Haus Eibau, Hauptstraße 197,1802 in Granit, ohne die heute üblichen Mechaniken in reiner Handarbeit entstand. Ist auch Sandstein weicher, so erfordert es doch viel Geschick, um Türgewände, wie sie oft in Walterdorf zu finden sind, anzufertigen. Um so erfreulicher, daß seit einigen Jahren Handwerksmeister aus der Region einige unansehnlich gewordene Hauseingänge, oft recht ansprechend, steinmetzmäßig überarbeiteten. Bitte auch nicht vergessen, daß früher mancher Maurer in der »steinreichen« Oberlausitz so viel »Steinverstand« hatte, daß er Steinmetzleistungen beim Hausbau mit erledigte. Saisonarbeit im Steinbruch während der Bauwinterruhe half beim »Abgucken«. Besondere Maurerleistungen findet man bei Umgebindehäusern zumeist nur in den Flur-, Stall- oder Lagergewölben der Dorffaktoren oder größerer Bauern. Bei Ersteren sind zum Teil noch Strukturverzierungen zugefügt worden, gelegentlich auch bei Bauernhäusern. Die Dachdecker fertigten ursprünglich in der Oberlausitz Strohdächer. Eine völlige Neuanfertigung eines Strohdaches gelang einem Laien in Schönbach hervorragend, einem anderen Hausbesitzer in Gröditz die sachgerechte Ausbesserung eines altersschwach gewordenen Schilfdaches. Auch hat nun das »Reiterhaus« in Neusalza-Spremberg ein meisterlich angefertigtes Dach aus dünnem Schilf. Die Entwicklung ging über die Schindeldächer, die man heute fast nur noch in Nordböhmen findet, zur Deckung mit Schiefer und später mit Ziegel über.
Konstruktive Besonderheiten an Umgebindehäusern.
Ebersbach, gibt es ganz kleine, wie das in Ringenhain, Wiesenstraße 1. Geschlossene Höfe wie in Eibau, Bürgerweg oder in Leutersdorf, Geschw.-Scholl-Straße 22, oder der Museumshof in Markersdorf sind auch in ihrer Gesamterscheinung auffällig. Bei Letzterem ist es auch möglich, einige Besonderheiten der Bauweise anzusehen. Auch beim Faktorenhof in Eibau ist dies nach der Rekonstruktion möglich. Von einigen Besonderheiten nur eine: Vollerhaltene Blockstube trotz Ersatz der Umgebindehölzer durch Mauerwerk und eine Oberstockausmalung, auf die manches Schloß stolz wäre. Bauten, bei denen zwei Hausteile im Winkel aneinanderstoßen, z. B. in Cunewalde, Hauptstraße, das Haus von 1765, in Schönbach, Beiersdorfer Straße 12 oder ein durch Postkartenoder Kalenderbilder bekanntgewordener Winkelbau in Großschönau sind gegenüber den in der Oberlausitz üblichen Bauten mit langgestrecktem Rechteckgrundriß eine gewisse Besonderheit. Ebenso die Bauten, bei denen straßenseitig Erdgeschoß und Stockwerk errichtet wurde, aber an der hinteren (Hof-) Seite das Dach so weit herunterreicht, daß nur das Erdgeschoß des so bezeichneten Frackdachhauses zu sehen ist. Als ein Beispiel sei Oberoderwitz, Dorfstraße 55, genannt. Sehr selten blieb eine weitere Besonderheit erhalten, Umgebinde im oberen Stockwerk. Als Beispiel sei eines in Obercunnersdorf, Hauptstaße 45 und eines in Leutersdorf, unweit vom Gemeindeamt genannt. Bei manchen Umgebindehäusern kann man bei den Ecken der Blockstube noch eine Ausführung sehen, die der Fachmann als Eckverbindung mit Vorstoß bezeichnet. Bei diesen Ecken ragen die Blockhölzer immer wechselseitig einige Zentimeter über die Ecken. Besonders gut ist dies bei einigen der Schrotholzbauten, z. B. in der Gegend um Rietschen zu sehen. Häuser, bei denen im südlichen Teil der Oberlausitz Vorstoßausbildungen vorkommen, findet man nur gelegentlich. Die bescheidenen Innenmaße mancher Umgebindehäuser kann der Besucher sehr gut z. B. im »Schunkelhaus« in Obercunnersdorf, im »Reiterhaus« in Neusalza-Spremberg oder im Museum Sohland/ Spree erleben, aber auch in anderen Heimatmuseen, z. B. in Lawalde oder Cunewalde.
Nutzung und Bedeutung der Umgebindehäuser in heutiger Zeit.
nicht leicht war, passendes oder überhaupt Baumaterial zu beschaffen. Handwerker, die bereit waren, denkmalsgerecht zu arbeiten, waren sehr selten zu finden.
Trotzdem kann man sagen, daß das Umgebindehaus, neben allen früheren Nutzungsveränderungen, wie Handweberhaus zu »reinem« Wohnhaus, Bauernhaus zur Bleibe vieler Familien, die als Ausgebombte oder Flüchtlinge (mehr oder minder zwangsweise) in ihm leben mußten oder denen in der DDR-Zeit, als sie z. B. Arztpraxis, Konsumverkaufsstelle, Gemeindeamt, Kindergarten, Hort, Laden, Büro oder Produktionsraum verschiedenster Art wurden, auch heutige Nutzungsveränderungen verträgt.
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Prinzipschema der Entstehungsschritte von Umgebindehäusern in Stockwerksbauweise.
Beteiligte Gewerke

An dieser Stelle möchten wir uns bei der Firma Olesch Werbung für die Genehmigung der Veröffendlichung dieser Infomationen herzlich bedanken. Nachfolgend das Impressum:
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Text und Zeichnungen : Karl Bernert
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Fotos : Karl Bernert, Heinz Müller Dresden, Peter Olesch
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Redaktion : Peter Olesch Werbung
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Literatur : Buch Umgebindehäuser - Karl Bernert
IV. überarbeitete Auflage "Umgebindehäuser eine europäische Einmaligkeit" von:
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Olesch - Werbung Haydnstr.12 02708 Löbau Tel./Fax:03585-833647 e-mail : Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. |




