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Wie kam es zur Entstehung der Umgebindehäuser?
Vor und während der Zeit der Ostkolonisation (ab 10. Jh.) war den in der Lausitz ansässigen Slawen die Blockbauweise als Hausbauart geläufig. Die Germanischen Stämme (z. B. Thüringer, Flamen, Franken) bauten ihre Häuser in ihrer Heimat in der Fachwerkbauweise.
Die Germanen erkannten bald, daß die Blockstube der Slawen im Klima der Lausitz wesentliche Vorteile hatte. Die Slawen sahen, daß sich durch die Fachwerkbauweise ein Haus schneller und vor allem wesentlich holzsparender errichten läßt. Ein Fachwerkhaus mit Blockstube als Wohnstube schien das Ideal. Leider ist aber Block und Fachwerkbau aus konstruktiven Gründen nicht unmittelbar in einem Hauskörper vereinbar.

Der Grund ist, daß Holz in der Baumlängsachse ein 15mal kleineres Schwindmaß (Längenverlust) als quer zu ihr hat. Der erlösende Gedanke war der, in ein Fachwerkhaus die Blockstube als völlig selbständigen Baukörper zu integrieren. Man erreichte dies, indem man Dach und Oberstock (evtl. nur das Dach) auf die später Umgebinde genannte Konstruktion stellte. Alle Lasten von Dach und Stockwerk wurden so direkt auf das Fundament geleitet.
Da dabei die Umgebindekonstruktion einige Zenti- oder Dezimeter vor der Blockwand gebaut wurde, konnte sich letztere das übliche Stück setzen, ohne dadurch dem übrigen Hause zu schaden. Nachdem die Erfahrung gelehrt hatte, daß Holzkonstruktionen im Stallteil und auch im Flurteil des Hauses zu schnell verrotteten (Feuchträume), errichtete man diese Hausteile in der Massivbauweise (Mauerwerk). Faszinierend ist, daß diese geniale Entwicklungsleistung nicht von weltberühmten Domhüttenbaumeistern oder Architekten, sondern von einfachen Dorfhandwerkern ausging. Dies sei ausdrücklich betont. Weiterhin ist recht bemerkenswert, daß das Umgebindehaus nicht nur von Menschen unterschiedlicher Nationen bzw. Nationalitäten errichtet wurde, sondern daß auch oft z. B. Deutsche und Tschechen gemeinsam unter einem Dach lebten. Für die vielseitige Nutzbarkeit dieses Haustypes spricht auch, daß die nach der Gegenreformation in Böhmen und Mähren in die Oberlausitz kommenden Exulanten (Glaubensverfolgte) sofort die Umgebindebauweise übernahmen.
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