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Was sind Umgebindehäuser?
Es ist ein Haustyp mit Mittelflur, dessen Wände Umgebindekonstruktionen aufweisen. Am häufigsten sind sie an der Giebelseite und den traufseitig anschließenden Teilen der Wohnseite (der Seite mit der Wohnstube) bis zum Mittelflur anzutreffen. Auf der der Stube gegenüberliegenden Flurseite sind im Mauerwerkteil Stall-, Gewölbe-, evtl. Altenteilerräume zu finden. Bei den sogenannten Doppelstubenhäusern sind Umgebindeteile beiderseits vom gemauerten Mittelflur errichtet worden. Deren Besitzer betrieben keine Landwirtschaft neben der Hausweberei.
Das Umgebinde selbst ist eine Stützkonstruktion. Ihre Aufgabe ist es, alle Lasten des Daches, und wenn ein Stockwerk vorhanden ist, auch dessen Last, direkt auf das Fundament abzuleiten.
Drittens ist ferner nachzuweisen, daß in vielen Gegenden Europas Handweberei in Gebäuden betrieben wurde, die keine Umgebindehäuser waren und auch nicht eingestürzt sind.
Diejenigen, die die »Erschütterungstheorie« aufbrachten, kannten sicher die dröhnend-vibrierenden Hallen mechanischer Webereien. Der Rückschluß auf den Handwebstuhl ist aber falsch. Beim Handwebstuhl haben die bewegten Teile erstens nie das Gewicht wie beim Maschinenwebstuhl, zweitens kann kein Handweber sie so schnell bewegen wie die Maschine und drittens nie so absolut gleichmäßig, daß Vibrationen entstehen könnten.
Mit Bezug auf die Hausweberei, besonders bei Leinenstoff, gab es einen Vorteil des Umgebindehauses gegenüber massiven Häusern. Die hölzerne Blockstube glich die in der Landschaft oft recht plötzlichen Klimaschwankungen (heiß-kalt, feucht-trocken) sehr gut aus. Die Leinwand wurde gleichmäßiger. Dies war auch ein weiterer Grund dafür, daß die Exulanten, die aus Gegenden kamen, in denen Umgebindebauten nicht bekannt waren, hier diese Bauweise zur Errichtung ihrer Häuser übernahmen. Erstaunlich und bemerkenswert ist auch, wie universell und gut nutzbar dieser Haustyp war und sogar in heutiger Zeit noch ist. Vom Dorfärmsten bis zum Reichsten des Dorfes, alle lebten früher in Umgebindehäusern. Natürlich war deren Größe sehr unterschiedlich. So konnten große Bauten eine zwölfmal größere Kubatur haben als z. B. ein Altenteilerhaus. Auch der Aufwand in der Ausführung, im Erscheinungsbild, der Zahl und Art der Zierelemente im Gebäudeinneren und an den Außenansichtsseiten war recht unterschiedlich, wenn man Faktoren-, Bauern-, Kleinstbauern-, Handweber-, Gast-, Pfarr-, Handwerker-, Altenteiler und Stadtbewohnerhäuser untereinander vergleicht. Manche Unterschiede sind auch zwischen Nordböhmischen und Lausitzer Umgebindehäusern erkennbar.

Weiterhin ist auch bedeutungsvoll, daß in Umgebindehäusern auch manche Städter lebten. Die Handweber konnten in ihnen produzieren und wohnen. Kleinbauern und Handwerker nutzten sie für ihre Zwecke ebenso wie der Dorfärmste. Auch die Reicheren, wie die Bauern, der Pfarrer, der Kretschamwirt oder die Dorffaktoren ließen sich ebenfalls Umgebindehäuser bauen, da sie auch ihren Bedürfnissen angepaßt werden konnten. Auch heute noch werden diese Bauten nicht nur für Wohnzwecke, sondern auch als Gewerberäume, Läden, Gaststätten und noch in mancherlei Arten gut genutzt. Dabei sind viele 100, manche 200 Jahre oder gar noch älter.
Diese Bauweise war auch so flexibel, daß sie sowohl auf dem weichen Baugrund des Spreewaldes als auch auf Fels errichtet werden konnte.
Die innerhalb des Umgebindes stehende Blockstube mit ihrer Decke hat als eine Art Haus im Hause dank des Umgebindes nur sich selbst zu halten. Der Fußboden des Dachraumes oder Oberstockes wird von Balken gehalten, die auf dem Umgebinde aufliegen. (Doppeldecke!).
Die Bezeichnung Umgebinde führte ein sächsischer Hausforscher, O. Gruner, 1897 in die Literatur ein, indem er Benennungen aus Stadtrechnungen von Reichenberg (heute Liberec) wie Umbschrut als Grundlage verwendete.
Im Gegensatz zu dieser sachlichen Erläuterung hört man in den Oberlausitzer Dörfern immer wieder eine falsche Interpretation zur Hausentstehung. So erfährt man, daß das Haus entstand, ja gelegentlich wird sogar gesagt, erfunden worden sei, um die Erschütterungen der Handwebstühle, die in der Blockstube standen und betrieben wurden, vom übrigen Haus fernzuhalten. Diese »Erschütterungstheorie« hält sich leider hartnäckig, obwohl sie dreifach falsch ist. Erstens ist Tatsache, daß es Umgebindehäuser gab, lange bevor die Hausweberei in der Oberlausitz ihre Blütezeit erlebte. Zweitens ist feststehend, daß der Haustyp nicht plötzlich erfunden wurde, sondern wie jede echte Volksbauweise eine Entwicklungsreihe hat, die schriftlich nachweisbar seit 1580 belegt, mindestens aber noch anderthalb Jahrhunderte älter ist.

