
Die Leistungen von Handwerkern.
Die Leistungen von Handwerkern beim Bau der Umgebindehäuser ist unbedingt zu würdigen. Immer sollte man dabei mit beachten, daß zu der damaligen Zeit dem Bauhandwerker nur die damals üblichen Handwerkszeuge zur Verfügung standen. Nur ein Beispiel: Maurer oder Steinmetz hatten nie die heute selbstverständlichen, mit Strom oder Preßluft betriebenen Geräte zur Arbeitserleichterung. Auch gab es seinerzeit weder Steckgerüste, Förderbänder, Mischer, Hubbühnen oder Krane.


Bei Fenstern und Türen denkt man heute zunächst an Tischlerarbeiten. Bei alten Stücken können es aber auch Arbeiten von Zimmerern sein. Solche Fensterumrahmungen wie in Dittelsdorf, Hirschfelder Straße, am Museum, sind in der Oberlausitz ungewöhnlich, in Nordböhmen manchmal zu finden. Dafür sind Fensterbekleidungen (beiderseits) bzw. Fensterbekrönungen (oben) wie in Schönbach, Beiersdorfer Straße 12, an dem zur Straße stehenden Hausteil, recht oft zu sehen. Bei den Haustüren sind besonders schöne aus der Barockzeit erhalten. Steinmetzleistungen in Granit oder Sandstein, besonders an Hauseingängen, sind allerorts zu bewundern. Man bedenke nur, daß zum Beispiel die kunstvolle Arbeit am Haus Eibau, Hauptstraße 197,1802 in Granit, ohne die heute üblichen Mechaniken in reiner Handarbeit entstand. Ist auch Sandstein weicher, so erfordert es doch viel Geschick, um Türgewände, wie sie oft in Walterdorf zu finden sind, anzufertigen. Um so erfreulicher, daß seit einigen Jahren Handwerksmeister aus der Region einige unansehnlich gewordene Hauseingänge, oft recht ansprechend, steinmetzmäßig überarbeiteten. Bitte auch nicht vergessen, daß früher mancher Maurer in der »steinreichen« Oberlausitz so viel »Steinverstand« hatte, daß er Steinmetzleistungen beim Hausbau mit erledigte. Saisonarbeit im Steinbruch während der Bauwinterruhe half beim »Abgucken«. Besondere Maurerleistungen findet man bei Umgebindehäusern zumeist nur in den Flur-, Stall- oder Lagergewölben der Dorffaktoren oder größerer Bauern. Bei Ersteren sind zum Teil noch Strukturverzierungen zugefügt worden, gelegentlich auch bei Bauernhäusern. Die Dachdecker fertigten ursprünglich in der Oberlausitz Strohdächer. Eine völlige Neuanfertigung eines Strohdaches gelang einem Laien in Schönbach hervorragend, einem anderen Hausbesitzer in Gröditz die sachgerechte Ausbesserung eines altersschwach gewordenen Schilfdaches. Auch hat nun das »Reiterhaus« in Neusalza-Spremberg ein meisterlich angefertigtes Dach aus dünnem Schilf. Die Entwicklung ging über die Schindeldächer, die man heute fast nur noch in Nordböhmen findet, zur Deckung mit Schiefer und später mit Ziegel über.

